Belgien erreicht seine Klimaziele für 2050 nur, wenn neben einer kräftigen Senkung der Treibhausgasemissionen die natürlichen Kohlenstoffsenken deutlich gestärkt werden. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie von VITO, UCLouvain und Gembloux Agro-Bio Tech (ULiège), die im Auftrag des Dienst Klimaatverandering beim FÖD Volksgesundheit erstellt und am 18. September 2026 veröffentlicht wurde. Die Analyse vergleicht drei Entwicklungspfade bis 2050 und bewertet ihre Wirkung auf Emissionen und Kohlenstoffspeicherung.
Kernbefund ist ein deutlicher Einbruch der Nettoaufnahme von Kohlenstoff im Sektor Landnutzung: Gegenüber 1990 ist sie bis 2024 nach Angaben der Autorinnen und Autoren nahezu um 80 Prozent zurückgegangen. Die aktuell vorgesehenen Politiken und bestehenden Programme zur Aufforstung und zum Schutz von Ökosystemen bremsen diesen Trend demnach nur begrenzt. Erst ein tiefgreifendes Transformationsszenario würde die Speicherleistung von Wäldern, Böden und Feuchtgebieten hinreichend erhöhen und zugleich landwirtschaftliche Emissionen soweit senken, dass Klimaneutralität erreichbar wird.
Die Studie nennt vier Hebel, die sich ergänzen: Erstens die Umwidmung von Flächen, die heute überwiegend Futter- und Futtermittel erzeugen. Zweitens der Erhalt permanenter Grasländer und zusätzliche Aufforstung. Drittens die Wiederherstellung von Feuchtgebieten und Mooren. Viertens Systemänderungen in Landwirtschaft und Forstwirtschaft, darunter Extensivierung, Agroforstwirtschaft sowie eine breitere Mischung von Baumarten und Altersklassen. Diese Maßnahmen sollen nicht nur Kohlenstoff binden, sondern auch die Widerstandskraft gegen Dürre, Waldbrände und Überschwemmungen erhöhen.
Die Autorenschaft betont, dass es dafür eines kohärenten, langfristigen Rahmens bedarf. Erforderlich sei eine enge Abstimmung zwischen Föderalstaat, Regionen und Gemeinden sowie finanzielle und beratende Unterstützung für Betriebe. Genannt werden Zielkonflikte zwischen Ernährungssicherheit und Flächenumwandlung; als entlastende Faktoren gelten veränderte Ernährungsgewohnheiten und Anpassungen von Handelsströmen.
Politisch leitet die Studie ab: Ohne sektorübergreifende Regeln und ehrgeizige Maßnahmen in Raumordnung, Agrarpolitik und Waldmanagement droht die nationale Zielmarke für 2050 zu verfehlen. Konkrete Umfänge für zusätzliche Aufforstung, Kostenrahmen oder Zeitpläne werden nicht festgelegt; sie sollen nach der Auswertung des vollständigen Politikpapiers als Grundlage für mögliche Gesetzes- und Förderinitiativen dienen. Damit liefert die Studie eine Roadmap auf Basis aktueller Daten und macht zugleich den Umfang der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und administrativen Umsetzungslasten deutlich.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).