Belgien wird sein Ziel der Klimaneutralität bis 2050 ohne einen grundlegenden Umbau von Landnutzung, Landwirtschaft und Forstwirtschaft verfehlen. Das geht aus einer am 18. September 2026 veröffentlichten Studie des Dienst Klimaatverandering der FÖD Volksgesundheit hervor. Der Bericht fordert neben einer deutlichen Senkung der Treibhausgasemissionen zusätzliche Aufforstungen und bodenschonende Bewirtschaftungsweisen, um die Nettoaufnahme von Kohlenstoff zu erhöhen.
Die Autorinnen und Autoren stützen sich auf Szenarien bis 2050, die den Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) gesondert betrachten. Demnach bleibt die Kohlenstoffsenke in Belgien hinter den Erwartungen zurück. Ohne weitere Maßnahmen droht ein anhaltendes Defizit bei der Netto-Speicherung von CO2. Als Handlungsfelder werden unter anderem die Renaturierung geeigneter Acker- und Grünlandflächen, eine bessere Humusbindung in Böden, extensivere Weidewirtschaft sowie gezielte Aufforstungen benannt. Auch ein aktiveres Waldmanagement, das die Resilienz gegenüber Trockenheit und Schädlingen stärkt, gilt als notwendig.
Die Studie ordnet ihre Befunde in frühere Fortschrittsberichte ein, die bereits mangelnde Dynamik bei zentralen Indikatoren auswiesen. Anders als vergangene Zwischenstände formuliert sie nun einen verschärften Maßnahmenkatalog für die 2020er Jahre. Dabei trennt sie klar zwischen kurzfristig umsetzbaren Hebeln und strukturellen Reformen, etwa bei Förderinstrumenten und Anreizen für klima- und bodenschonende Verfahren.
Politisch berühren die Empfehlungen Zuständigkeiten der Regionen. Forst- und Agrarpolitik liegen weitgehend in Flandern und der Wallonischen Region; zugleich sind föderale Rahmensetzungen und die Einbindung in die europäische Klimagesetzgebung maßgeblich. Die Verfasserinnen und Verfasser betonen, dass koordiniertes Handeln erforderlich ist, um Zielpfade konsistent zu halten und Doppelanrechnungen oder Regelungslücken zu vermeiden.
Ökonomisch und gesellschaftlich verweist der Bericht auf Zielkonflikte: Flächennutzung für Aufforstung konkurriert mit Produktion, Naturschutz und Energieinfrastruktur. Werden zentrale Hebel verschleppt, drohen höhere Anpassungskosten in Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Naturschutz sowie Risiken bei der Einhaltung europäischer Vorgaben. Zugleich skizziert die Studie Chancen durch eine auf Dauer angelegte Bodenfruchtbarkeit, stabile Erträge und neue Wertschöpfungsketten in der Forstwirtschaft.
Konkrete regionale Umsetzungspläne, Kostenrahmen und Verantwortlichkeiten bleiben Aufgabe der Politik. Die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen, so die Autorinnen und Autoren, hängt vom Zusammenspiel mit Emissionsminderungen in Energie, Verkehr und Industrie ab und muss regelmäßig überprüft und nachgesteuert werden.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).