In Gent haben am 18. Oktober 2026 Dutzende Menschen mit einer stillen Prozession an den Weißen Marsch vor 30 Jahren erinnert. Die Teilnehmenden zogen vom Belfort der Stadt zum Justizpalast und hielten an mehreren Stationen inne, an denen persönliche Erinnerungen und lokale Bezüge zum Thema Gewalt gegen Kinder und Versagen von Institutionen thematisiert wurden. Organisiert wurde das Gedenken von zivilgesellschaftlichen Initiativen aus Gent; es war ausdrücklich als besinnlicher Rundgang und nicht als Großkundgebung angelegt.
Der Weiße Marsch, niederländisch Witte Mars, hatte am 20. Oktober 1996 in Brüssel als Reaktion auf die Dutroux-Affäre Hunderttausende Menschen mobilisiert. Damals standen Empörung über Fehler von Polizei und Justiz sowie Forderungen nach besserem Opferschutz, Transparenz und institutionellen Reformen im Vordergrund. Der Genter Gedenkzug knüpfte an diese Anliegen an und richtete den Blick auf die Frage, was sich seitdem tatsächlich verändert hat.
Entlang der Route wurden Initiativen seit 1996 hervorgehoben, darunter neue Formen der Opferhilfe und die Arbeit spezialisierter Dienste. Hilfsorganisationen wie Child Focus entstanden in der Folgezeit und prägten die Unterstützung für betroffene Familien. Zugleich verwiesen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf anhaltende Debatten über Effizienz, Informationsaustausch und das Vertrauen in die Justiz. Die Beiträge vor Ort blieben lokal verankert, stellten die Gedenkveranstaltung jedoch in den Kontext des landesweiten Erinnerns an den historischen Protest.
Zugeschriebene Einschätzungen aus dem Umfeld der Organisatoren betonten den doppelten Zweck des Tages: Erinnerung an die Opfer und eine nüchterne Bilanz der Lehren, die aus den Versäumnissen der 1990er Jahre gezogen wurden. Beobachter hoben hervor, dass sich in den vergangenen drei Jahrzehnten sowohl strukturelle Anpassungen als auch neue Erwartungen an die staatlichen Stellen entwickelt haben. Wo Verbesserungen sichtbar sind, etwa bei Anlaufstellen für Angehörige, bleibt der Ruf nach konsequenter Umsetzung und transparenter Verantwortung bestehen.
Die Gedenkbegehung in Gent war eine der Veranstaltungen zum 30. Jahrestag des Weißen Marsches. Sie unterstreicht, dass die Auseinandersetzung mit den damaligen Ereignissen und ihren Folgen weiterhin Teil der belgischen Öffentlichkeit ist – und dass die zentralen Fragen nach Aufklärung, Opferschutz und Vertrauen in die Institutionen über den lokalen Rahmen hinausreichen.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).