Die Region Brüssel-Hauptstadt setzt heute ihren Dimanche sans voiture um: Von 9.30 bis 19.00 Uhr ist der motorisierte Individualverkehr in der gesamten Region grundsätzlich untersagt. Zulässig bleiben unter anderem Einsatz- und Versorgungsfahrten sowie Fahrten mit vorab erteilten Ausnahmegenehmigungen. Die Maßnahme ist Teil der europaweiten Semaine de la mobilité und wird von der Regionalverwaltung mit Gemeinden, Polizei und Verkehrsunternehmen koordiniert.
Nach Auswertungen von Bruxelles Environnement sinken an einem autofreien Sonntag die kurzfristige Lärmbelastung und die Konzentration ausgewählter Luftschadstoffe, besonders an großen Verkehrsachsen. Die Behörde bewertet den Tag als sichtbaren Testfall für alternative Alltagsmobilität. Zugleich macht sie deutlich, dass dauerhafte Verlagerungen im Modal split ergänzende Schritte erfordern: sichere und durchgehende Radachsen, bessere Angebote im öffentlichen Verkehr an den Rändern der Region und verlässliche Verknüpfungen zwischen Verkehrsmitteln.
Für den heutigen Betrieb passen die Verkehrsunternehmen ihre Angebote an. STIB-MIVB führt Linienführungen und Haltestellenzugänge je nach Lage an, um dichteres Taktangebot und reibungslose Umstiege zu sichern. Die nationale Bahn SNCB verstärkt Verbindungen zu Bahnhöfen am und im Stadtgebiet, um An- und Abreise ohne Auto zu erleichtern. Die Polizei kündigt vermehrte Kontrollen der Sperrzonen sowie punktuelle Querungen für den notwendigen Verkehr an.
Der Sonntag ohne Auto hat in Brüssel eine doppelte Funktion: Er liefert eine kurzfristige Entlastung für Anwohnerinnen und Anwohner und besitzt Symbolkraft für eine mobilitätspolitische Neuordnung. Das Brüsseler Parlament und mehrere Gemeinden nutzen den Tag regelmäßig, um Projekte zur Verkehrssicherheit, zur Luftreinhaltung oder zur Neuaufteilung des Straßenraums vorzustellen. Messungen und Zählungen zeigen an solchen Tagen mehr Rad- und Fußverkehr. Fachleute warnen jedoch vor Überinterpretation: Ohne belastbare Längsschnittdaten lasse sich nicht belegen, dass ein Aktionstag allein das Alltagsverhalten breiter Gruppen dauerhaft ändert.
Interessen und Zielkonflikte liegen offen zutage. Handel und Veranstalter profitieren von mehr Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, während Pendlerinnen und Pendler mit spezifischen Arbeitszeiten auf belastbare Alternativen angewiesen sind. Der heutige Ablauf dient den Behörden daher auch als Praxistest, wie sich verkehrsarme Innenstädte, wirtschaftliche Abläufe und soziale Bedürfnisse ausbalancieren lassen. Ergebnisse aus Lärm- und Luftmessungen will die Region nach Abschluss der Mobilitätswoche konsolidiert veröffentlichen.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).