In Brüssel hat das Belgian Beer Weekend begonnen. Vor dem Hintergrund der bundesweit geplanten Verschärfungen für Alkoholwerbung warnen die Belgische Brouwers vor weitreichenden Folgen für Betriebe und Veranstalter. Geschäftsführer Krishan Maudgal sagte am Rande des Festivals auf der Grand-Place, starre Auflagen und ein schärferer Warnhinweis drohten den moderaten Konsum zu stigmatisieren und die belgische Bierkultur zu schwächen.
Auslöser der Auseinandersetzung ist ein Entwurf für einen königlichen Erlass, den der Ministerrat Ende März 2026 gebilligt hat. Er sieht unter anderem deutlich hervorgehobene Gesundheitswarnungen auf Werbemitteln, zusätzliche Beschränkungen für Werbung in Medien mit hohem Anteil minderjähriger Nutzerinnen und Nutzer sowie strengere Regeln für Promotionen vor. Die Föderalregierung begründet dies mit dem Schutz von Jugendlichen und der öffentlichen Gesundheit. Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke verweist auf die nachweisbare Krankheitslast durch Alkohol und auf internationale Empfehlungen zur Werbebeschränkung.
Die Belgische Brouwers kritisieren vor allem die standardisierte Formulierung des Warnhinweises. Dieser differenziere nicht zwischen missbräuchlichem Konsum und maßvollem Genuss, so Maudgal. Die Branche betont ihren ökonomischen Beitrag entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Hopfen bis zur Gastronomie sowie die kulturelle Verwurzelung des Brauens. Die belgische Bierkultur wurde vor zehn Jahren von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Auf Verfahrensebene wurde der Entwurf im Rahmen des europäischen Notifizierungsverfahrens angemeldet und zur fachlichen Stellungnahme vorgelegt. Nach Abschluss der Begutachtungen – darunter üblicherweise das Gutachten des Staatsrats – kann die Regierung den königlichen Erlass finalisieren und im Belgischen Staatsblatt veröffentlichen. Bis dahin sind Detailanpassungen an Wortlaut und Anwendungsbereichen möglich, etwa bei der Definition von Medien mit hohem Minderjährigenanteil oder bei Ausnahmen für rein informative Formate.
Die Debatte berührt zwei politische Ziele: einerseits Prävention und Jugendschutz, andererseits die Interessen einer für Belgien identitätsstiftenden Kultur- und Exportbranche. Vertreterinnen und Vertreter der Gesundheitsseite halten fest, dass die Regeln kein Werbeverbot insgesamt bedeuteten, sondern klarere Leitplanken. Die Brauereien dringen auf praxistaugliche Kriterien, um Veranstaltungen wie das Belgian Beer Weekend nicht unnötig zu belasten. Der Ausgang des Verfahrens wird bestimmen, wie künftig geworben werden darf – in klassischen Medien, online und vor Ort.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).