Zehn Jahre nach dem Tod von Jordy Brouillard ist der Übergang aus der jeugdhulp in Flandern breiter geregelt, aber weiterhin brüchig. Nach der öffentlichen Debatte seit 2016 hat die Vlaamse Regering rechtliche und organisatorische Schritte gesetzt, um bestimmte Hilfemodule über die Volljährigkeit hinaus – teils bis zum 25. Lebensjahr – fortführen zu können. Praktiker und Verbände verweisen zugleich auf begrenzte Plätze, regionale Unterschiede und befristete Projektlogiken.
Der Anlassfall: Ende August 2016 wurde der 19‑jährige Jordy Brouillard aus Ninove tot in einem Zelt im Erholungsgebiet Blaarmeersen in Gent gefunden. Medien und Fachleute machten seinen Tod an den Folgen von Entbehrung zum Symbol einer systemischen Lücke: Was geschieht mit gefährdeten Jugendlichen, sobald sie 18 werden und Einrichtungen verlassen?
Politische Reaktion: Im Vlaams Parlement rückten die Folgen der Volljährigkeit für Betroffene rasch auf die Agenda. Die Vlaamse Regering präzisierte in der Folge den Rahmen für eine „verlengde jeugdhulp“: Angebote der Jugendhilfe können unter Bedingungen auch jungen Erwachsenen offenstehen. Das zuständige Agentschap Opgroeien verankerte Nachbegleitung und Übergangsmanagement stärker in Richtlinien und Programmen.
Umsetzung in der Praxis: Kommunale und freie Träger meldeten einen Ausbau niedrigschwelliger Unterstützungsformen für 18‑ bis 25‑Jährige, etwa betreute Wohnmöglichkeiten, aufsuchende Begleitung und Übergangswohnungen. Die CAW (Centra Algemeen Welzijnswerk) und spezialisierte Dienste berichten von mehr freiwilligen Anschlussbetreuungen. Gleichzeitig zeigen Erfahrungsberichte und Monitoring, dass die Verfügbarkeit je nach Region und Angebot stark schwankt und Wartelisten bestehen.
Einschätzungen aus der Fachpraxis: Nach übereinstimmender Bewertung von Expertinnen und Trägern hat der Fall Brouillard einen nachhaltigen Bewusstseinswandel ausgelöst. Er führte zu zusätzlichen Mitteln für Pilotprojekte und zu intensiverer parlamentarischer Kontrolle. Zugleich blieben viele Maßnahmen zeitlich befristet oder projektgebunden; strukturelle, flächendeckend finanzierte Plätze für besonders vulnerable junge Erwachsene sind weiterhin unzureichend. Offene Baustellen betreffen vor allem die dauerhafte Finanzierung, den Zugang zu leistbarem Wohnen und die Verzahnung mit Ausbildung, Arbeit und Gesundheit.
Zehn Jahre danach steht fest: Die jeugdhulp in Flandern ist sensibler für Risiken am Übergang ins Erwachsenenleben geworden, und rechtliche Optionen für verlängerte Hilfen existieren. Die Umsetzung bleibt jedoch heterogen. Der Name Jordy Brouillard ist in Gent und darüber hinaus zum Prüfstein geworden, ob Schutz und Begleitung auch nach dem 18. Geburtstag verlässlich greifen.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).