Wirtschaft

Voka-Ökonom warnt: Belgien braucht langfristig bis zu 90 Milliarden Euro

Bart Van Craeynest vom Arbeitgeberverband Voka warnt vor einer Finanzierungslücke von bis zu 90 Milliarden Euro. Offizielle Projektionen von Nationalbank und Föderalem Planbüro zeigen ebenfalls steigenden Druck auf den Haushalt.

Der Chefökonom des flämischen Arbeitgeberverbands Voka, Bart Van Craeynest, warnt vor einer langfristigen Finanzierungslücke in Belgien von bis zu 90 Milliarden Euro. Die Einschätzung stützt sich auf eine neue Voka-Analyse, die kurzfristig eine Haushaltskonsolidierung im zweistelligen Milliardenbereich für erforderlich hält und auf strukturelle Belastungen bis zur Mitte des Jahrhunderts verweist.

Voka nennt drei zentrale Treiber: höhere Zinskosten durch das gestiegene Zinsniveau, demografiebedingt wachsende Ausgaben für Gesundheit und Renten sowie zusätzliche Verpflichtungen etwa für Verteidigung und Investitionen. In den Szenarien der Analyse werden zur Rückführung des Defizits auf die 3-Prozent-Grenze der Europäischen Union Größenordnungen im zweistelligen Milliardenbereich veranschlagt. Bleibe die Politik auf dem bisherigen Kurs, könne das gesamtstaatliche Defizit gegen Ende der laufenden Legislatur deutlich steigen. Die Zahl „bis zu 90 Milliarden Euro“ bezieht sich auf die kumulierte strukturelle Aufgabe über einen längeren Zeithorizont und ist eine Voka-Abschätzung.

Unabhängig von dieser Summe deuten offizielle Projektionen auf wachsenden Druck: Die Nationale Bank von Belgien erwartet in ihren Juni-Prognosen ein moderates Wirtschaftswachstum bei anhaltend hohen Defiziten. Das Föderale Planbüro skizziert in seinen Perspektiven 2026 bis 2031 eine Zunahme der Schuldenquote, sofern keine zusätzlichen Maßnahmen erfolgen. Beide Institutionen liefern damit Indikatoren, die die Grundprobleme bestätigen, ohne die von Voka genannte Gesamtsumme selbst zu quantifizieren.

Politisch ist zwischen kurzfristiger Stabilisierung und mittelfristigen Strukturreformen zu unterscheiden. Kurzfristig steht die föderale Regierung vor der Aufgabe, das Defizit einzudämmen, um die europäischen Fiskalvorgaben einzuhalten und den Schuldendienst tragfähig zu halten. Mittel- und langfristig geht es um Reformen, die potenzielles Wachstum stärken, Arbeitsangebot und Produktivität erhöhen und die Ausgabendynamik in Alterssicherung und Gesundheit dämpfen. Voka plädiert dafür, Konsolidierung mit wachstumsorientierten Maßnahmen zu kombinieren.

Über den Instrumentenmix – zusätzliche Einnahmen, Ausgabenkürzungen oder Priorisierungen von Investitionen – wird zwischen Föderalstaat, Regionen und Gemeinschaften politisch zu verhandeln sein. Sozialpartner und Koalitionsparteien werden bei der Ausgestaltung eine zentrale Rolle spielen. Die heute veröffentlichte Warnung ist damit keine Prognose einer unmittelbaren Zahlungsunfähigkeit, sondern der Hinweis auf eine absehbare Schere zwischen Aufgaben und Finanzierungsbasis, wenn der Kurs unverändert bleibt. Die Dimension der Herausforderung ist durch Voka beziffert; der generelle Trend steigender fiskalischer Spannungen wird von der Nationalbank und dem Föderalen Planbüro untermauert.

Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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