Das belgische Forschungszentrum VITO hat am 18. August eine Handreichung mit sektorspezifischen Maßnahmen vorgelegt, damit Unternehmen ihren Wasserverbrauch nachhaltiger organisieren. Im Zentrum stehen die systematische Erfassung betrieblicher Wasserströme, der Ausbau interner Kreisläufe, die Substitution von Prozesswasser, die Rückgewinnung von Brauchwasser sowie Anpassungen bei Kühlung und Produktion. Die Hinweise sind als praxisorientierte Empfehlungen formuliert und gelten nicht als rechtsverbindliche Vorgaben.
Die Lageeinschätzung der Vlaamse Milieumaatschappij (VMM) bildet den aktuellen Anlass: Laut jüngsten Lageberichten lagen die Grundwasserstände an vielen Messstellen im niedrigen bis sehr niedrigen Bereich; in Teilen Flanderns wurde im Juli Code orange ausgerufen. Die Plattform Waterinfo Vlaanderen dokumentiert Pegel, Abflüsse und Grundwasserstände laufend und weist auf regionale Unterschiede hin. Nach Behördenangaben ist die allgemeine Versorgung mit Trinkwasser derzeit nicht flächendeckend gefährdet, zugleich werden in kleineren Gewässern ökologische Mindestabflüsse teilweise unterschritten – mit Folgen für Landwirtschaft, Industrie und Ökosysteme.
VITO richtet seine Empfehlungen an Betriebe unterschiedlichster Branchen in Flandern. Kurzfristig geht es um operative Anpassungen wie reduzierte Prozesskühlung, die Nutzung alternativer Wasserquellen und die Rückführung von Abwässern in geeignete Prozesse. Mittelfristig zielen die Vorschläge auf resilientere Systeme: etwa durch Speicherung, die Entkopplung sensibler Prozessschritte von Niedrigwasserphasen und das Schließen innerbetrieblicher Kreisläufe. Dabei betont VITO die Notwendigkeit, sektorenspezifische Potenziale zu identifizieren, da Wasserqualitäten, Prozessanforderungen und Lastprofile stark variieren.
Institutionell sind die Empfehlungen in bestehende Programme eingebettet. Die Regionalregierung verweist auf den Blue Deal, der Maßnahmen zur Stärkung der Wassersicherheit, zur Renaturierung und zu Speicherlösungen bündelt. Über örtliche Entnahmeverbote oder weitere Einschränkungen entscheidet bei Bedarf die droogtecommissie der Regierung von Vlaanderen auf Basis der Daten von VMM und Waterinfo. Verbindliche Maßnahmen werden regional abgestuft erlassen und fortlaufend aktualisiert.
Behörden und Fachstellen sehen in der aktuellen Phase vor allem die Chance, Effizienzsteigerungen dauerhaft zu verankern. Konkrete Entscheidungen über zusätzliche Auflagen oder Lockerungen bleiben jedoch lageabhängig: Maßgeblich sind die gemessenen Pegel- und Abflusswerte sowie Witterungsverlauf und Nachfrage. Unternehmen, die ihre Wasserströme transparent machen und frühzeitig in Kreislauf- und Speicherlösungen investieren, reduzieren akute Risiken und stärken zugleich ihre Wettbewerbsfähigkeit.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).