Das belgische Verkehrssicherheitsinstitut Vias hat am 28. August 2026 eine Auswertung vorgelegt, nach der 42 Prozent der Unfälle, an denen 2025 ein vollständig elektrisches Auto beteiligt war, auch einen Fußgänger oder einen Radfahrer als verletzte Person einschlossen. Bei der Gesamtheit der Pkw-Unfälle lag dieser Anteil deutlich niedriger. Die Analyse stützt sich auf nationale Unfalldaten. Vias weist darauf hin, dass das Muster eine Korrelation beschreibt und keine eindeutige Kausalität belegt.
Als plausibler Erklärungsfaktor nennt Vias die im Stadtverkehr geringere Abstrahlung von Motor- und Fahrgeräuschen bei Elektroautos, die die akustische Wahrnehmbarkeit für sehbehinderte und allgemein hörabhängige Verkehrsteilnehmer vermindern könne. Dies wird durch ergänzende akustische Versuche untermauert: In Labor- und Feldtests hörten Testpersonen Fahrzeugpassagen mit unterschiedlichen Antriebsarten in wechselnden Umgebungsgeräuschen. Bei niedrigen Geschwindigkeiten in urbanem Lärm waren Elektroautos oft schwerer zu detektieren. Künstliche Warnsysteme (AVAS, Acoustic Vehicle Alerting Systems) verbesserten die Erkennbarkeit, ihre Wirksamkeit hing jedoch von Klanggestaltung und Lautstärke ab.
Rechtlicher Hintergrund ist die seit Juli 2021 in der Europäischen Union geltende Pflicht, neue Elektroautos mit AVAS auszustatten. Die Ausgestaltung der Signale lässt verschiedene Klangprofile zu, was unterschiedliche Wahrnehmungswirkungen zur Folge haben kann. Frühere Studien, unter anderem des niederländischen RIVM, hatten bereits Risiken durch reduzierte Motorgeräusche für sehbehinderte Menschen beschrieben. Die Vias-Auswertung verknüpft nun aktuelle Unfalldaten in Belgien mit neuen Wahrnehmungsexperimenten.
Aus Sicht von Vias ergeben sich zwei Handlungsstränge. Erstens die Regulierung der akustischen Eigenschaften künstlicher Warnsignale: Sie sollten im realen Straßenrauschen gut erkennbar sein, ohne übermäßig zu belasten. Eine Überprüfung, ob heutige Anforderungen in der Praxis genügen, hält Vias für angezeigt. Zweitens Maßnahmen im Straßenraum: niedrigere innerstädtische Geschwindigkeiten, bessere Beleuchtung, sichere Querungsstellen und angepasste Infrastruktur für den Radverkehr können das Risiko unabhängig von der Antriebsart senken. Zusätzlich empfiehlt Vias gezielte Kommunikation für seh- und hörbeeinträchtigte Menschen sowie Schulungen für Fahrerinnen und Fahrer zu Besonderheiten von Elektroautos im Mischverkehr.
Die genannten Prozentangaben beruhen auf der Vias-Datenanalyse. Die akustische Erklärungsrichtung ist eine Bewertung von Vias, gestützt durch Tests. Welche Rolle weitere Faktoren wie Fahrzeugalter, Fahrzeuggröße, Fahrverhalten oder Unfallsituation (Kreuzungen, Beleuchtung, Wetter) spielen, bleibt Gegenstand weiterer Auswertungen. Klar ist: Mit der wachsenden Zahl von Elektroautos auf den Straßen gewinnt die Frage der Erkennbarkeit im Nahbereich an praktischer Bedeutung.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).