Gesundheit

Sciensano beziffert Demenzkosten in Belgien auf über 7 Milliarden Euro pro Jahr

Zum Welt-Alzheimer-Tag nennt Sciensano neue Schätzungen für Belgien. Eine EU-Studie kommt mit anderer Methode auf 4,1 Milliarden Euro.

Die öffentliche Gesundheitsbehörde Sciensano schätzt die jährlichen Gesamtkosten der Demenz in Belgien auf mehr als 7 Milliarden Euro. Die Zahl wurde anlässlich des Welt-Alzheimer-Tags am 21. September 2026 präsentiert und umfasst die gesamtwirtschaftliche Last: direkte Ausgaben für Medizin und Pflege sowie indirekte Effekte wie Produktivitätsverluste und Einkommenseinbußen bei betreuenden Angehörigen.

Abweichende Ergebnisse meldet ein Forscherkonsortium im Rahmen des europäischen Projekts COIN-Eu. Die im Juli 2026 im Journal of Alzheimer’s Disease veröffentlichte Analyse veranschlagt die gesellschaftlichen Kosten in Belgien auf rund 4,1 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Berechnung gewichtet vor allem die soziale Kostenlast, einschließlich des großen Anteils unbezahlter Pflege durch Familien. Der Unterschied zu den Sciensano-Zahlen ergibt sich nach Angaben der beteiligten Teams aus unterschiedlichen Abgrenzungen der Kostenkategorien und methodischen Annahmen, etwa zur Bewertung indirekter Effekte.

Patientenorganisationen und Fachverbände begrüßen aktuelle, vergleichbare Kennzahlen als Grundlage für Entscheidungen. Die Alzheimer Liga Vlaanderen und Stop Alzheimer verweisen auf die wachsende Zahl älterer Menschen und die starke Abhängigkeit von informeller Pflege, die Haushalte und öffentliche Budgets belastet. Sie fordern zielgenauere Unterstützung für pflegende Angehörige, klarere Versorgungswege zwischen föderalen und regionalen Zuständigkeiten sowie zusätzliche Mittel für Forschung, Prävention und evidenzbasierte Versorgung.

Haushalts- und Strukturfragen rücken damit erneut in den Blick. Das Federaal Planbureau rechnet bereits mit steigenden Ausgaben für Langzeitpflege und Gesundheit. Für die Politik stellt sich die Aufgabe, Leistungen und Finanzierung zwischen Föderalstaat, Regionen und Gemeinschaften kohärent auszurichten und Entlastungsangebote für Angehörige planbar zu machen. Dazu zählen nach Ansicht von Expertinnen und Experten etwa niedrigschwellige Unterstützungsdienste, eine bessere Koordination zwischen Hausärztinnen, Krankenhäusern und Wohnpflegeeinrichtungen sowie Anreize für berufliche Pflegekapazitäten.

Die heute genannten Kostenangaben sind Schätzwerte und als solche nicht deckungsgleich. Gemeinsam ist ihnen jedoch die Botschaft, dass Demenz in Belgien bereits eine erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Belastung darstellt. Hochschulen wie die Vrije Universiteit Brussel und nationale Akteure betonen, dass transparente Methoden, regelmäßige Aktualisierungen und eine klare Trennung zwischen direkten, indirekten und informellen Komponenten nötig sind, um Prioritäten in Prävention, Versorgung und Finanzierung belastbar zu setzen.

Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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