Der belgische Mediziner Frank Comhaire ist am 1. September 2026 in Sint-Martens-Latem im Alter von 86 Jahren gestorben. Comhaire war emeritierter Professor für Endokrinologie an der Universität Gent und gilt als Wegbereiter der Reproduktionsmedizin in Belgien.
Sein Name ist eng mit dem Universitätskrankenhaus UZ Gent verbunden. Dort initiierte er in den 1970er Jahren die Kryokonservierung von Samenzellen und gründete 1978 eine Samenbank, die als erste Einrichtung ihrer Art innerhalb eines belgischen Universitätsklinikums gilt. Zeitgenössische Unterlagen und spätere Berichte bezeichnen sie auch als „Spermabank“ am UZ Gent. Dieser Aufbau trug maßgeblich dazu bei, reproduktionsmedizinische Verfahren in die klinische Routine zu überführen und Standards für Diagnostik und Behandlung zu etablieren.
Fachlich prägte Comhaire die Andrologie, also die Medizin der männlichen Fortpflanzungsfunktion. Er verband klinische Praxis mit Forschung zu männlicher Fertilität, endokrinen Störungen und altersassoziierten Stoffwechselfragen. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Universität Gent betreute er wissenschaftliche Arbeiten, veröffentlichte zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften und wirkte an der Ausformung einer eigenständigen andrologischen Versorgung in Belgien mit.
Mit dem Ausbau der Reproduktionsmedizin gewann auch die Debatte über ethische und rechtliche Leitplanken an Gewicht. Themen wie Höchstzahlen je Spender, der Umgang mit Anonymität und die Informationsrechte von Donorkindern sind heute anders geregelt als in den Aufbaujahren. Comhaires fachliche Beiträge wurden in diesem Spannungsfeld wiederholt herangezogen, etwa bei Fragen standardisierter Samenanalysen und der Einbindung von Labormethoden in die Patientenversorgung.
Nachrufe in belgischen Medien würdigen Comhaires jahrzehntelanges Wirken für die Reproduktionsmedizin und die Andrologie. Die Universität Gent und das UZ Gent verweisen in ihren öffentlich zugänglichen Materialien auf seine Rolle bei der Institutionalisierung des Fachs und die Verankerung von Qualitätsstandards. Der Tod des Mediziners markiert für viele Weggefährten das Ende einer Pionierphase, deren fachliche und organisatorische Grundlagen den Alltag der Fortpflanzungsmedizin bis heute prägen.
Der Begründer der Genter Samenbank hinterlässt ein wissenschaftliches und klinisches Werk, das weit über die Region hinaus Wirkung entfaltet hat. In Belgien blieb sein Name mit strukturellen Innovationen verbunden, die die Versorgung von Paaren mit Kinderwunsch und die Forschung zur männlichen Fertilität nachhaltig verändert haben.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).