Belgiens Zentrale Aufsichtsbehörde für das Gefängniswesen (Centrale Toezichtsraad voor het Gevangeniswezen, CTRG) warnt vor rasch wachsenden Pflege- und Gesundheitsbedarfen unter Inhaftierten und fordert ein angepasstes Vorgehen der Politik. Nach Besuchen in speziellen Abteilungen der Strafanstalten Merksplas und Saint-Hubert stellte die CTRG am 23. September ihre Beobachtungen vor und verlangte eine bessere Verzahnung von Justizvollzug und Gesundheitsversorgung.
Die Aufsichtsbehörde beschreibt eine spürbare Alterung der Gefangenenpopulation. Zunehmend seien Insassen multimorbid und auf geriatrische oder palliative Versorgung angewiesen. Allein zusätzliche Hafträume reichten nicht aus, betont die CTRG. Nötig seien barrierearme Infrastruktur, auf Pflege geschultes Personal, klare medizinische Standards und Kooperationen mit zivilen Einrichtungen. Genannt werden mobile geriatrische Teams, zusätzliche Plätze in der forensischen Psychiatrie sowie feste Überweisungswege zwischen Gefängnissen und externen Pflegeanbietern.
Als unmittelbarer Anlass dienten CTRG-Besuche in Merksplas und Saint-Hubert, wo seit der Corona-Pandemie gesonderte Bereiche für ältere Inhaftierte bestehen. Nach Darstellung der Verantwortlichen sind deren Bedarfe mit den Mitteln regulärer Haftanstalten nur schwer zu decken. Die CTRG verweist auf die Dokumentation „Achter de tralies van de tijd“, die die Versorgungslücken illustriert, und ordnet die Befunde in langjährige Hinweise auf Überbelegung und demografische Verschiebungen ein.
Institutionell betrifft das Thema mehrere Ebenen: Der Föderale Öffentliche Dienst Justiz verantwortet den Strafvollzug, während Pflege- und Gesundheitsleistungen weitgehend in die Zuständigkeit der Gemeinschaften und Regionen fallen. Die CTRG mahnt daher eine abgestimmte Strategie zwischen Justizverwaltung und Gesundheitsdiensten an. Konkrete Kosten- oder Kapazitätsschätzungen nennt die Behörde zum jetzigen Zeitpunkt nicht; diese müssten auf Basis gemeinsamer Datenerhebungen erarbeitet werden.
Fest steht nach Angaben der CTRG die Verdichtung des Problems: Die Zahl älterer Häftlinge steigt, und ohne strukturelle Anpassungen drohen Belastungen für Personal, Mitgefangene und das Gesundheitssystem. Zugeschriebene Bewertungen wie „besonders belastend“ spiegeln die Lageeinschätzung der Einrichtungen wider. Politische Entscheidungen zu Ausbau, Finanzierung und Zuständigkeitsabgrenzung stehen noch aus. Der Bericht versteht sich als fachliche Grundlage, um rasch tragfähige Modelle zu entwickeln, die Sicherheit und medizinische Standards zugleich gewährleisten.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).