Kurzmeldung
Die Regierung der Föderation Wallonie‑Bruxelles hat am 23. Oktober 2026 in letzter Lesung eine Reform der sogenannten Médias de proximité beschlossen. Medienministerin Jacqueline Galant (MR) begründete den Schritt mit strukturellen Defiziten, rückläufigen Werbeeinnahmen und der Notwendigkeit, lokale Informationsangebote organisatorisch und finanziell zukunftsfest zu machen. Die Reform sieht eine Begrenzung der anerkannten Träger und eine Neuordnung der Förderinstrumente vor; eine schrittweise Umsetzung ist bis 2031 vorgesehen.
Parallel hat die Ministerin die Einberufung umfangreicher Anhörungen zur Presse écrite angekündigt. Demnach sollen bis Ende Februar 2027 rund 43 Akteure aus Verlagen, Gewerkschaften, Distribution, Werbung, Wissenschaft und regulatorischen Instanzen angehört werden, um ein aktuelles Lagebild zu erstellen und mögliche Maßnahmen zu prüfen. Ziel der Anhörungen ist es, konkrete Vorschläge zu Finanzierung, Distribution und Redaktionsstrukturen zu erarbeiten, ohne die redaktionelle Unabhängigkeit zu untergraben.
Ein zeitkritischer Faktor ist der föderale Kredit d’impôt für die Verteilung papiergebundener Publikationen, dessen aktueller Rechtsrahmen am 31. Dezember 2026 ausläuft. Branchenvertreter und Interessenverbände fordern eine Verlängerung oder eine Übergangslösung, da sonst kurzfristig Produktions‑ und Distributionskosten auf die Verlage zurückfallen könnten. Die Föderation Wallonie‑Bruxelles will die Ergebnisse der Anhörungen mit dem Föderalstaat abstimmen, betont jedoch, dass Maßnahmen den Pluralismus und die Versorgung der Gemeinden sichern müssen.
Die Reform und die Anhörungen werden vor dem Hintergrund bereits laufender Marktveränderungen diskutiert: Die angekündigte Näherung der großen Verlagsgruppen Rossel und IPM hat die Debatte um Medienkonzentration und Vielfalt zusätzlich angefacht. Kritiker warnen, dass weniger, dafür größere Träger die Nähe zur lokalen Bevölkerung schwächen könnten; Befürworter verweisen auf Effizienzgewinne und stabilere Finanzierungsmodelle. Ob und in welcher Form der Kredit d’impôt verlängert wird, welche Träger künftig als Médias de proximité anerkannt werden und wie Übergangsfinanzierungen gestaltet werden, entscheidet sich in den kommenden parlamentarischen Beratungen und Gesprächen mit dem Föderalstaat.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).