Das Parlament der Region Brüssel-Hauptstadt hat am 4. November 2026 eine Resolution zur Bekämpfung von Maskulinismus (französisch: „masculinisme“) angenommen. Ziel ist es, gegen organisierte antifeministische Strömungen vorzugehen, die in sozialen Medien und im öffentlichen Raum mit Hassrede und Einschüchterung auftreten. Die Maßnahmen setzen auf Prävention, Forschung und Schulungen, nicht auf neue Strafnormen.
Kern des Beschlusses ist ein Auftrag an Safe.brussels, die regionale Stelle für Sicherheit und Prävention, eine Studie zu Ausmaß, Dynamiken und Folgen des Phänomens in der Region Brüssel-Hauptstadt vorzulegen. Parallel sollen Fortbildungen für Mitarbeitende der Verwaltung, die Polizei, Schulen und spezialisierte Fachstellen entwickelt werden, damit Anzeichen von Radikalisierung früher erkannt und Betroffene gezielter unterstützt werden. Die Resolution sieht zudem eine bessere Koordinierung mit bestehenden Beratungsangeboten der Zivilgesellschaft vor.
Konkrete gesetzliche Änderungen enthält der Parlamentsbeschluss nicht. Er zielt vielmehr darauf, Zuständigkeiten zu bündeln, Wissenslücken zu schließen und vorhandene Instrumente wirksamer zu nutzen. Eine Entscheidung über zusätzliche Budgetmittel bleibt offen; die Regionalregierung soll die finanziellen und organisatorischen Konsequenzen prüfen.
Die MR-Fraktion (Mouvement Réformateur) unterstützte die Initiative. Umwelt- und Gleichstellungsakteure warben für einen breiten Forschungsauftrag, der insbesondere die Lage Jugendlicher in Schule und Freizeit erfasst. Kritische Stimmen beanstanden eine unscharfe Begriffslage und fordern eine präzisere Abgrenzung zu legitimarer Debatte über Rollenbilder sowie klare Leitlinien zum Schutz der Meinungsfreiheit. Das Parlament verwies darauf, dass die Resolution präventiv ausgerichtet sei und an bestehendes Antidiskriminierungs- und Gewaltpräventionsrecht anknüpfe.
Hintergrund ist eine intensivere Debatte über antifeministische und misogyne Netzwerke in Belgien. Berichte und Anfragen in föderalen Gremien wie dem Senat sowie Hinweise von Ombudsstellen und Beratungsdiensten nennen eine Zunahme von Online-Hassrede und Bedrohungen, die in Einzelfällen in physische Übergriffe münden. In der Region Brüssel-Hauptstadt verweisen Abgeordnete auf beobachtete Radikalisierungsmuster unter Jugendlichen und auf die Belastung von Schulen und lokalen Diensten.
Ob die beschlossenen Schritte Wirkung entfalten, hängt von der Qualität der beauftragten Studie, der Ausstattung von Safe.brussels und der Abstimmung mit den Bildungssystemen der Gemeinschaften sowie mit Nichtregierungsorganisationen ab. Das Parlament erwartet erste Umsetzungsberichte der Regionalregierung, bevor über weitergehende Maßnahmen entschieden wird.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).