Die Beschäftigung in Belgien stagniert, während deutlich mehr Menschen ab 65 Jahren arbeiten. Nach neuen Veröffentlichungen von Statbel und der Nationalen Sozialversicherungsanstalt (RSZ/ONSS) lag die Beschäftigungsquote der 20- bis 64-Jährigen im zweiten Quartal 2026 unverändert bei 72,8 Prozent. Gleichzeitig verzeichneten die Sozialversicherungsdaten einen markanten Zuwachs der Erwerbstätigen im Rentenalter.
Statbel beziffert die Beschäftigungsquote (20–64 Jahre) im zweiten Quartal 2026 auf 72,8 Prozent. Für die Altersgruppen 20–54 und 55–64 meldet die Arbeitskräfteerhebung 76,6 Prozent beziehungsweise 60,2 Prozent. Die RSZ/ONSS-Schnellschätzungen zeigen, dass insbesondere die Zahl der Beschäftigten ab 65 Jahren gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen ist. Diese Dynamik wird mit dem geänderten gesetzlichen Rahmen erklärt: Das gesetzliche Rentenalter wurde 2025 von 65 auf 66 Jahre angehoben. Der Effekt ist in den Arbeitsmarktdaten des Jahres 2026 klarer sichtbar als zuvor.
Die Zunahme bei den 65-Jährigen und Älteren kompensiert leichte Rückgänge in anderen Altersgruppen nicht vollständig; unter dem Strich ergibt sich eine stabile gesamtwirtschaftliche Quote. Zugleich verändert sich die Struktur der Erwerbstätigkeit. Ein größerer Anteil älterer Beschäftigter wirkt sich auf die Verbreitung von Teilzeit und Flexi-Jobs, auf Branchenmuster und auf den Bedarf an arbeitsmedizinischen und präventiven Maßnahmen aus. Politisch relevant ist dies auf mehreren Ebenen: Föderale Rentenregelungen und Beitragsnormen treffen direkt auf Unterschiede, die zwischen den Regionen bestehen bleiben. Flandern liegt bei der Beschäftigungsquote über dem Landesdurchschnitt, Wallonien und Brüssel darunter, wie Statbel für das zweite Quartal 2026 ausweist.
Ökonomisch mindert der Anstieg der Erwerbstätigkeit im höheren Alter kurzfristig den Druck auf die Sozialkassen, weil Beiträge steigen und Rentenzugänge sich teilweise verschieben. Mittel- bis langfristig rückt die Qualität der Arbeit in den Vordergrund: Weiterbildung, altersgerechte Arbeitsplätze, flexible Arbeitszeitmodelle und Gesundheitsschutz werden entscheidend sein, um Produktivität und Erwerbsbeteiligung zu sichern. Die RSZ/ONSS betont zugleich den Vorläufigkeitscharakter der Schnellschätzungen; Detailanalysen nach Sektoren und Beschäftigungsarten werden in den kommenden Monaten über das Ausmaß und die Dauerhaftigkeit der Trends Aufschluss geben.
Die hier berichteten Werte beruhen auf der Arbeitskräfteerhebung von Statbel und auf den administrativen RSZ/ONSS-Daten bis zum 30. Juni 2026. Beide Institutionen veröffentlichten ihre Übersichten Anfang Oktober 2026.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).