Belgiens offizielles Zählsystem für Femizide verzögert sich weiter. Nach übereinstimmenden Angaben aus föderalen Antworten auf Parlamentsfragen und aktuellen Medienberichten fehlt bislang ein konsolidierter, staatlicher Jahresüberblick. Die Föderalregierung hat den Auftrag zur Einrichtung eines offiziellen Monitorings verankert, doch die Umsetzung stockt.
Kernprobleme sind ungeklärte Definitionen, Kodierung und Meldewege zwischen Polizei, Staatsanwaltschaften, dem Institut für die Gleichstellung von Frauen und Männern sowie dem Statistikamt Statbel. Auch Fragen zum Datenschutz und zur Abgrenzung von Tötungsdelikten im sozialen Nahraum erschweren eine einheitliche Erfassung. Verbindliche Fristen für einen ersten Bericht wurden genannt, aber wiederholt nicht eingehalten.
Bis auf Weiteres stützen sich Öffentlichkeit, Praxis und Forschung auf heterogene Quellen. Eine wichtige Rolle spielte und spielt die zivilgesellschaftliche Initiative Stop Feminicide, die seit Jahren Verdachtsfälle anhand von Medienberichten dokumentiert. Deren Arbeitsweise – ehrenamtlich, mit begrenzten Ressourcen – macht die Reihe anfällig für Lücken und methodische Brüche. Regionale Projekte, etwa in Brüssel, ergänzen die Lagebilder, verwenden jedoch teilweise andere Kriterien und sind mit der föderalen Ebene nicht systematisch verzahnt.
Die Abgeordnetenkammer und der Senat befassten sich in mehreren Ausschuss- und Fragestunden mit dem Stand der Umsetzung. Aus den amtlichen Antworten geht hervor, dass Arbeitsgruppen zwar eingesetzt wurden, aber bis heute keine standardisierte föderale Meldestrecke von der Erstermittlung bis zur statistischen Auswertung durchgängig produktiv ist. Statbel verweist zudem darauf, dass polizeiliche und justizielle Rohdaten ohne einheitliche Definition von Femizid statistisch nicht verlässlich ausgewiesen werden können.
Die Folgen sind konkret: Prävention, Opferschutz, Täterarbeit und Justizplanung müssen ohne belastbare nationale Vergleichswerte auskommen. Budgets, Personalplanung und die Evaluation bestehender Maßnahmen bleiben damit erschwert. Fachleute aus Praxis und Wissenschaft fordern deshalb transparente Definitionen, klare Zuständigkeiten und eine publizierte Methodik, die föderale, regionale und kommunale Ebenen verbindet. Erst wenn der Datenfluss rechtssicher und technisch stabil steht, kann ein offizieller Jahresbericht entstehen, der Trends abbildet und politisches Handeln belastbar steuert.
Bis dahin bleibt Belgien auf Zwischenlösungen angewiesen: punktuelle Auswertungen der Polizei, regionale Berichte und die zivilgesellschaftliche Dokumentation. Sie liefern Hinweise, ersetzen aber keine konsistente, staatliche Statistik.
Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).