Wirtschaft

Belgien bleibt auf hohem Produktivitätsniveau, das Wachstum aber verlangsamt sich

Neue OECD- und Eurostat-Daten bestätigen: Belgien zählt weiterhin zu den produktivsten Volkswirtschaften, verzeichnet jedoch seit Jahren eine Abschwächung beim Produktivitätswachstum — mit deutlichen Unterschieden zwischen Regionen und Branchen.

Kurzmeldung

Aktuelle Veröffentlichungen der OECD (Compendium of Productivity Indicators 2026) und Datenupdates der EUKLEMS‑Datenbank des Federaal Planbureau bestätigen am 8. Oktober 2026 zwei zentrale Befunde für Belgien: Erstens liegt die Arbeitsproduktivität auf einem international hohen Niveau. Zweitens hat sich das Tempo des Produktivitätswachstums in den vergangenen Jahren abgeschwächt. Eurostat‑Quartalsdaten zeigen zudem, dass das EU‑weite Produktivitätsbild heterogen bleibt.

Die OECD‑Analyse dokumentiert, dass die Mehrzahl der OECD‑Länder 2024 Produktivitätsgewinne verzeichnete, wobei Belgien vom hohen Ausgangsniveau ausgeht, aber weniger rasche Zuwächse als einige Vergleichsländer erzielt. Die aktualisierte EUKLEMS‑Reihe für Belgien (Datenreihe bis 2024) ermöglicht eine sektoralere Sicht: Wissensintensive Dienstleistungen tragen stark zum hohen Niveau in der Hauptstadtregion bei, exportorientierte Industriezweige prägen Flandern, während Teile Walloniens Aufholprozesse zeigen, aber langsamer.

Als maßgebliche Bremse nennt die OECD strukturelle Faktoren: eine Wirtschaftsstruktur mit hohem Dienstleistungsanteil und heterogener Industrie, föderale Kompetenzverteilung mit komplexer Koordinationslage, sowie institutionelle Merkmale der Lohnbildung und Arbeitsmarktregulierung, die die Diffusion neuer Technologien verlangsamen können. Demografische Veränderungen und vergleichsweise niedrige durchschnittliche Erwerbszeiten pro Kopf dämpfen kurzfriste Produktivitätsgewinne. Nationale Analysen mit EUKLEMS‑Daten stützen diese Differenzierung und zeigen regionale Unterschiede bei Investitionen in Forschung, Digitalisierung und Weiterbildung.

Politische Schlussfolgerungen der OECD sind Handlungsempfehlungen, keine Prognosen: gezielte Weiterbildung, bessere Koordination zwischen föderalen Ebenen, Abbau administrativer Hürden für Unternehmensgründungen sowie stärkere Anreize für technologieintensive Investitionen werden als wirksame Hebel genannt. Ob Belgien sein hohes Produktivitätsniveau in höhere Wachstumspfad zurückführen kann, hängt demnach von konkreten Reformschritten und deren regionaler Umsetzung ab.

Redaktion: Länderblick (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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